Dr. Anja Kathrin Rueß
Postdoktorandin
Anja ist STS-Forscherin und Postdoktorandin am STS-Department der Technischen Universität München (TUM). Sie setzt sich besonders dafür ein, Öffentlichkeiten stärker in Diskurse über Wissenschaft, Technologie und Innovation einzubeziehen.
Anja arbeitet im Innovation Network for Neurotechnology in Mental Health, wo sie die sozialen Dimensionen neurowissenschaftlicher Forschung und neurotechnologischer Entwicklungen sowie die Beteiligung von Patient:innen an diesen Prozessen untersucht. Im Rahmen dieser Tätigkeit nahm sie an der Inaugural Oxford Winter Neuroethics School teil und ist weiterhin aktives Mitglied des zugehörigen Alumni-Netzwerks. Zuvor war Anja wissenschaftliche Mitarbeiterin im EU-Horizon-2020-geförderten Forschungsprojekt Scaling up co-creation – avenues and limits for integrating society in science and innovation (SCALINGS), einer europäischen Forschungsinitiative (2018–2021), die sich mit der Situiertheit und dem Mainstreaming von Co-Creation-Praktiken in unterschiedlichen Ländern und technologischen Feldern befasste. Aus diesem Kontext heraus entwickelte Anja die Forschungsfragen für ihr Dissertationsprojekt (2025), in dem sie die Wertversprechen und Effekte von Co-Creation in Diskurs und Praxis analysierte.
Während ihrer Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin entwickelte Anja eine besondere Leidenschaft für die Lehre und die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Zu den von ihr gelehrten Veranstaltungen zählen Qualitative sozialwissenschaftliche Forschungsmethoden, Fachspezifische Qualifikationen in der Biomedizin, Co-Creation Lab, STS in Science, Technology, Engineering and Mathematics sowie Practices and Politics of Science and Technology.
Vor ihrem Eintritt an der TUM absolvierte Anja einen M.Sc. in Sustainable Energy Science an der Iceland School of Energy der Reykjavík University sowie einen B.A. in Politik- und Verwaltungswissenschaft an der Universität Konstanz. Darüber hinaus absolvierte sie ein Traineeship bei der Delegation der Europäischen Union in Island.
- Co-Creation, Öffentlichkeits- und Patient:innenbeteiligung
- Governance von Neurowissenschaften und mentaler Gesundheit
- Governance von Smart Cities
- Nukleare Entsorgung und Governance
- Ko-Produktion von Wissenschaft, Technologie und Gesellschaft
- Soziale Identitäten und Machtverhältnisse in Konfliktszenarien
- Partizipative Technikfolgenabschätzung
TUM Innovation Network for Neurotechnology in Mental Health (NEUROTECH)
Zeitraum: 2022-2026
Fördergeber: TUM Innovation Network
Beschreibung: Im Rahmen des TUM Innovation Network for Neurotechnology in Mental Health (NEUROTECH) verfolgen wir einen innovativen, integrierten Ansatz der Ethik und Sozialwissenschaften, den wir kürzlich in Zusammenarbeit entwickelt und an der TUM implementiert haben. Dieser Ansatz basiert auf der interdisziplinären Integration von Ethik- und Sozialwissenschaftlern in die grundlagenwissenschaftlichen, klinischen und technologischen Aspekte der Forschungsprozesse im Bereich der Neurotechnologie. Auf Grundlage dieser Integration begleiten und analysieren wir die Forschungs- und Entwicklungsprozesse des NEUROTECH-Netzwerks, beispielsweise bei der Entwicklung neuartiger KI-gestützter Therapieansätze. Unsere Analyse potenzieller ethischer und sozialer Fragestellungen – von algorithmischer Verzerrung über Datenschutzaspekte bis hin zu Auswirkungen auf die Patientenautonomie und das zukünftige Arzt-Patienten-Verhältnis – fließt in Echtzeit in die Entwicklungsprozesse ein. So können wir ethische und soziale Probleme frühzeitig erkennen, reflektieren und angehen.
Ergänzend zu dieser Analyse arbeiten wir partizipativ mit relevanten gesellschaftlichen Akteuren zusammen, die von der Technologie und ihrer Anwendung betroffen sind, wie beispielsweise Patienten und Patientenorganisationen, Ärzte und Pflegekräfte. Wir tauschen uns mit diesen Stakeholdern aus, erforschen ihre Perspektiven und ihr Fachwissen und stellen dieses Wissen dem NEUROTECH-Netzwerk zur Verfügung, damit es in den Forschungsprozessen, der Technologieentwicklung und der klinischen Anwendung berücksichtigt werden kann.
Zeitraum: 2018-2021
Fördergeber: EU Horizon 2020
Beschreibung: Co-Creation – Praktiken, die unterschiedliche Akteure in gemeinsamen Innovationsaktivitäten zum wechselseitigen Nutzen zusammenbringen – ist enstanden als eine weithin erwünschte Schlüsselresource für aktuelle Bestrebungen, Innovationsprozesse und -resultate zu verbessern. Das europäische Forschungskonsortium SCALINGS untersucht die Möglichkeiten und Grenzen einer weitergehenden Verbreitung und Nutzung von ko-kreativen Praktiken quer durch Europa.
SCALINGS untersucht mittels eines mobilen, eingebetteten und vergleichend experimentellen Forschungsdesigns einzigartige Umsetzungen und Resultate dreier Instrumente von Co-Creation: innovative Beschaffung, Living Labs und Infrastrukturen der Co-Creation. Das Konsortium fokussiert auf zwei Technologiedomänen (Robotik und städtische Energieversorgung) über 10 Partnerländer hinweg. SCALINGS zielt darauf ab, Möglichkeiten für bewährte Verfahren und sozial robuste Skalierung von Co-Creation zu stärken und dabei gleichzeitig unser Verständnis davon verbessern, wie ko-kreative Praktiken mit den sozialen, kulturellen, ökonomischen und institutionellen Umgebungen, in denen sie umgesetzt werden, zusammenhängen. SCALINGS ist ein interdiszplinäres Projekt, das Sozialwissenschaftler*innen, Ingenieur*innen, politische Entscheidungsträger*innen und Industriepartner*innen aus ganz Europa zusammenbringt.
Das Projekt SCALINGS wird durch das Horizont 2020 Forschungs- und Innovationsprogramm der Europäischen Union innerhalb der speziellen Förderungslinie „Science with and for Society“. Dessen Ziel ist es, effektive Kooperationen zwischen Wissenschaft und Gesellschaft aufzubauen, um neue Talente für die Forschung zu rekrutieren und dabei wissenschaftliche Exzellenz mit sozialem Verantwortungsbewusstsein zu paaren.
- Ruess, A. K., & Müller, R. (2024). Finding solutions to problems that never existed: a case study of co-creation in the municipality of the future. Journal of Responsible Innovation, 11(1). https://doi.org/10.1080/23299460.2024.2391574
- Schönweitz, F. B., Ruess, A. K. & Müller, R. (2024). From Being Embedded in Practice: Working Situated and Interdisciplinary in the Neurosciences and Neurocomputation as Ethicists and Social Scientists, In: M. Ienca & G. Starke, Brains and Machines: Towards a unified Ethics of AI and Neuroscience – Developments in Neuroethics and Bioethics, 7, pp. 225–240. London: Elsevier. https://doi.org/10.1016/bs.dnb.2024.02.001
- Müller, R., Ruess, A. K., Eisenberger, I., Buocz, T., Damjanovic, D., Hofer, A. & Sedef, A. (2021). Co-creating European Futures: Innovation, Participation and Co-creation in Europe 2030. Munich: SCALINGS.
- Ruess, A. K., Müller, R. & Pfotenhauer, S. M. (2023). Opportunity or Responsibility? Tracing Co-creation in the European Policy Discourse. Science & Public Policy, 50, 433–444. https://doi.org/10.1093/scipol/scac079
- Willem, T., Fritzsche, M.-C., Zimmermann, B. M., Sierawska, A., Breuer, S., Braun, M., Ruess, A. K., Bak, M., Schönweitz, F., Meier, L. J., Fiske, A., Tigard, D., Müller, R., McLennan, S. y Buyx, A. (2025). Embedded Ethics in Practice: A Toolbox for Integrating the Analysis of Ethical and Social Issues into Healthcare AI Research. Science and Engineering Ethics, 31(3), 1–22. https://doi.org/10.1007/s11948-024-00523-y
- Schönweitz, F. B., Ruess, A. K., McLennan, S., Buyx, A. & Ienca, M. (2024). Where Is the Exit? The Ethical Importance of Exit Plans in Clinical Trials with Neural Implants. Brain Stimulation, 17(5), 1145-1154. https://doi.org/10.1016/j.brs.2024.09.010
- Müller, R., Clare, A. & Ruess, A. K. (2023). STS and Bioethics: Forging New Synergies for Exploring the Potentials and Pitfalls of Public Engagement with New Biotechnologies, The American Journal of Bioethics, 23, 72–74. https://doi.org/10.1080/15265161.2023.2207505
- Müller, R., Ruess, A. K., Schönweitz, F. B., Buyx, A., Gil Ávila, C. & Ploner, M. (2023). Next steps for global collaboration to minimize racial and ethnic bias in neuroscience. Nature Neuroscience, 26, 1132–1133. https://doi.org/10.1038/s41593-023-01369-6
- Astola, M., Laes, E., Bombaerts, G., Ryszawska, B., Rozwadowska, M., Szymanski, P., Ruess, A. K., Nyborg, S., & Hansen, M. (2022). Community Heroes and Sleeping Members: Interdependency of the Tenets of Energy Justice. Science and Engineering Ethics, 28, 45. https://doi.org/10.1007/s11948-022-00384-3
- Ruess, A. K. & Pfotenhauer, S. M. (2021). Evaluation Zukunftskommune Ulm: Abschlussbericht, München: TUM.
- Müller, R., Ruess, A. K., Eisenberger, I., Buocz, T., Damjanovic, D., Hofer, A. & Sedef, A. (2021). Co-creating European Futures: Innovation, Participation and Co-creation in Europe 2030. Munich: SCALINGS.
- Hot Topics in Life Sciences, Wintersemester 2022/2023, 2024/2025 und 2025/2026: Dieser Kurs beleuchtet neurotechnologische Anwendungen im Bereich der mentalen Gesundheit aus der Perspektive der Science and Technology Studies (STS). Ziel ist es, besser zu verstehen, wie neues wissenschaftliches Wissen und neue Technologien Patient:innen und Gesellschaft beeinflussen – und zugleich, wie Patient:innen und gesellschaftliche Kontexte die Entwicklung von Wissenschaft und Technologien mitprägen.
- Neuroscience and Society, Sommersemester 2025 & Wintersemester 2025/2026: Dieser Kurs beleuchtet neurotechnologische Anwendungen im Bereich der mentalen Gesundheit aus der Perspektive der Science and Technology Studies (STS). Ziel ist es, besser zu verstehen, wie neues wissenschaftliches Wissen und neue Technologien Patient:innen und Gesellschaft beeinflussen – und zugleich, wie Patient:innen und gesellschaftliche Kontexte die Entwicklung von Wissenschaft und Technologien mitprägen.
- Methods I (Data & Society), Sommersemester 2025: Dieser Kurs macht Studierende mit den Grundlagen verschiedener qualitativer sozialwissenschaftlicher Forschungsmethoden vertraut und vermittelt ihnen die Kompetenzen, eigene Forschungsprojekte zu konzipieren und durchzuführen.
- Methods I (STS & Reset), Wintersemester 2020/2021 und 2021/2022: Dieser Kurs macht Studierende mit den Grundlagen verschiedener qualitativer sozialwissenschaftlicher Forschungsmethoden vertraut und vermittelt ihnen die Kompetenzen, eigene Forschungsprojekte zu konzipieren und durchzuführen.
- STS in Science, Technology, Engineering, and Mathematics, Sommersemester 2020 und 2021: Dieser Kurs unterstützt Studierende dabei, MINT-Kontexte aus einer sozialwissenschaftlichen Perspektive zu erschließen und zu analysieren.
- Co-creation Lab, Sommersemester 2021: Dieser Kurs ist darauf ausgelegt, Studierende zu aktiven Mitgestalter:innen eigener Mikro-Forschungsprojekte in realen Kontexten zu machen, etwa bei der Entwicklung lokaler Mobilitätshubs. Die Studierenden übernehmen die Rolle von Forschenden und treten unter Anleitung der Lehrenden in Austausch mit Öffentlichkeiten, kommunalen Verwaltungen sowie weiteren betroffenen Akteur:innen.
- Practices and Politics of Science and Technology, Wintersemester 2019/2020: Dieser Kurs ist als umfassende Einführung konzipiert und macht Studierende mit einer Bandbreite zentraler Theorien und Konzepte der Science and Technology Studies (STS) vertraut.
Environments, Acoustics & Resilience in Urban Soundscapes (Oxford Winter Neuroethics School, Oxford, 2026)
Advancing Patient Engagement in Pain Research: Insights from Science and Technology Studies (STS Italia, Milano, 2025)
Co-creation as techno-economic reconfiguration of participation: What role for STS? (EASST/4S Joint Conference, Amsterdam, 2024)
An ethics of scale in neuroscience? Exploring research ethics in small versus large patient cohorts (EASST/4S Joint Conference, Amsterdam, 2024)
A fridge, a dinner party and a brain implant – Empirical encounters with researcher-patient relationships in cognitive neuroscience (PaSTIS, Padova, 2023)
“In a way, she’s our most important team member“ – Tracing reconfigurations of professional-patient encounters in cognitive neuroscience (Nordic STS Conference, Oslo, 2023)
The Tailor and the Sparrow: Co-creating the Municipality of the Future (EASST 2022 Congress, Madrid, 2022)
Co-creating Future Mobility: Testfelder als Zukunfts- und Beteiligungsorte (Digitales Frühstück, Verkehrsministerium Baden-Württemberg, 2021)
Towards a Map of Multiple Roads: Situating the Future of Co-creation in Europe (4S Annual Meeting, virtual, 2021)
Öffentlichkeitsbeteiligung in der Smarten Stadt (Digitaltag, Stadt Ulm, 2020)
Von Smart City zu Smart Citizens: Digitalisierung aus Bürger*innensicht und praktische Herausforderungen von Öffentlichkeitsbeteiligung in der digitalen Stadt (IT Planungsrat in cooperation with Sabine Meigel, City of Ulm, cancelled due to COVID-19, 2020)
Old Wine in New Bottles: Tracing Co-creation in the European Policy Discourse (EASST/4S Joint Conference, virtual, 2020)
Impulse für Forschendes Lernen und praxisorientierte Forschungsansätze (Kolloquium Technik und Gesellschaft, Universität Ulm, 2019)
(De-)Constructing Publics? Living Labs and the Demos Problem (4S Annual Meeting, New Orleans, 2019)
- Gutachterin (Journal of Responsible Innovation, Cities)
- Stipendium, Studienstiftung des deutschen Volkes (2013-2018)
- Best Research Proposal Award, University of Oxford, Oxford Winter Neuroethics School (2026)