Unsere Projekte
Wissenschaft und Technik sind Kernelemente moderner Gesellschaften. Sind ebenfalls zentrale Akteure in und Themen von nationaler und internationaler Politik. Die Professur für Wissenschafts- und Technologiepolitik erforscht die vielfältigen Beziehungen zwischen Wissenschaft, Technologie, Gesellschaft und Politik, die in unseren zunehmend technowissenschaftlichen Gesellschaften entstehen.
laufende Projekte

Beschreibung: Das Projekt erforscht den wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Diskurs zu den langfristigen gesundheitlichen Auswirkungen von negativen Kindheitserfahrungen. Insbesondere untersuchen wir, wie sich diese Diskurse entwickeln und Konzeptionen von Familie und Verantwortung beeinflussen.
43 % der Bevölkerung Deutschlands erleben Traumata in ihrer Kindheit. Wissenschaftliche Studien postulieren einen Zusammenhang zwischen der Anzahl bestimmter negativer Kindheitserfahrungen, wie etwa sexuellem Missbrauch oder Drogenmissbrauch im Haushalt, und psychischen sowie physischen Erkrankungen im Lebensverlauf – ein Thema, das in den letzten Jahren verstärkt Gegenstand biomedizinischer Forschung ist. In jüngerer Zeit wurde die Epigenetik als möglicher Mechanismus für die Einschreibung solcher Erfahrungen in molekulare Strukturen vorgeschlagen.
Mit einem Mix aus sozialwissenschaftlichen Methoden untersuchen wir, wie Familie im Diskurs über die gesundheitlichen Folgen negativer Kindheitserfahrungen konzeptualisiert und positioniert wird und welche Vorstellungen von familialer Verantwortung für die Gesundheit entstehen. Unsere Forschung analysiert in diesem Kontext auch, welche diskriminierenden Narrative aus den Diskursen entstehen. Diese können nicht nur gegen Betroffene wirken, sondern auch Verantwortung an Gruppen wie Mütter überhöht zuschreiben. Durch einen partizipativen Workshop, der Eltern, Forschende, und andere Stakeholder zusammenbringt, wollen wir schließlich eine Intervention in den Diskurs setzen und das Verhältnis von Familie, Kindheitserfahrungen und Gesundheit, besonders mit Blick auf Fragen von sozialer Gerechtigkeit, kritisch durchleuchten und neu erfassen.
Projektteam: M.A. Mary Jones , Prof. Dr. Ruth Müller & Dr. Georgia Samaras
Zeitraum: 2024-2027
Projekttyp: Drittmittelgefördertes Konsortiumsprojekt
Fördergeber: Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst
Projektkonsortium: https://forfamily-forschung-bayern.de/projekte/negative-kindheitserfahrungen/

Beschreibung: As part of the TUM Innovation Network for Neurotechnology in Mental Health (NEUROTECH), we follow an innovative embedded ethics and social science approach that we recently developed in a collaborative effort and have started to implement at TUM. This approach is based on the interdisciplinary integration of ethics and social science researchers into the basic science, clinical and technology development aspects of the research processes of neurotechnology. Based on this integration, we accompany and analyze the research and development processes of the NEUROTECH network, for example when building novel AI-driven therapeutic interventions. We then feed back our analysis of potential ethical and social issues – ranging, e.g., from algorithmic bias to data protection aspects to impacts on patient autonomy and the future doctor-patient-relationship – into development processes in real-time in order to identify, reflect on and address any ethical and social issues as they arise.
To complement this analysis, we work in participatory ways with relevant stakeholders in society that are affected by the technology and its implementation, such as patients and patient organizations, doctors and nursing staff. We engage with these stakeholders, explore their perspectives and expertises and make this knowledge available to the NEUROTECH network so that it can be considered in research processes and the development of technologies as well as their clinical implementation
Projektteam: Prof. Dr. Ruth Müller, Anja Kathrin Rueß, M.Sc., Prof. Dr. Simon Jacob (Coordinator); Prof. Dr. Ruth Müller (PI “Embedded ethics and social science for responsible neurotechnology”); Prof. Dr. Alena Buyx (Co-PI “Embedded ethics and social science for responsible neurotechnology”)
Zeitraum: 2022-2026
Projekttyp: TUM Innovation Networks
Fördergeber: TUM Innovation Networks
Partner :
- Prof. Dr. Simon Jacob (Translational Neurotechnology) – Coordinator
- Prof. Dr. Alena Buyx (Ethics in Medicine and Health Technologies)
- Prof. Dr. Julijana Gjorgjieva (Computational Neurosciences)
- Prof. Dr. Ruth Müller (Science & Technology Policy)
- Prof. Dr. Markus Ploner (Human Pain Research)
- Prof. Dr. Josef Priller (Department of Psychiatry and Psychotherapy)
- Prof. Dr. Daniel Rückert (Artificial Intelligence in Healthcare and Medicine)
- Prof. Dr. Bernhard Wolfrum (Neuroelectronics)

Beschreibung: Die Neurowissenschaften versprechen, neurologische Erkrankungen mit bisher ungeahnter Präzision und Erfolgsquote zu diagnostizieren und zu behandeln. Dennoch werden nicht alle Menschen gleichermaßen in diese Forschungsagenda einbezogen. Studien zeigen, dass es in den Neurowissenschaften aufgrund technischer und sozialer Ausschlussmechanismen alarmierende Verzerrungen bezüglich der Kategorien Ethnizität und race gibt. Diese führen dazu, dass Instrumente nicht für Menschen mit bestimmten Merkmalen optimiert oder mit ihnen kompatibel sind.
Während derzeit Richtlinien für Studiendesigns und die Zusammensetzung von Stichproben erarbeitet werden, basieren diese größtenteils auf einer US-amerikanischen Perspektive – geprägt von einer spezifischen Geschichte, Bevölkerungsstruktur und demografischen Kategorien zur Repräsentation von Diversität. Für Forschende in Europa und anderen globalen Regionen mit unterschiedlichen historischen und gegenwärtigen Formen von Diversität und Diskriminierung bleibt daher wenig Orientierung.
Dieses Projekt stellt sich dieser Herausforderung und untersucht, was gerechte und inklusive neurowissenschaftliche Forschung in Europa bedeutet und welche sozialen und technologischen Veränderungen notwendig sind, um sie zu erreichen. Mithilfe eines multimethodischen Ansatzes – einschließlich bibliometrischer, qualitativer, ko-kreativer und ethnografischer Analyse – erforscht das Projekt, wie menschliche Diversität derzeit in Studienpopulationen verstanden und dargestellt wird, wie sich diese Verständnisse in unterschiedlichen wissenschaftlichen Kontexten verändern und welche technologischen, sozialen und institutionellen Anpassungen erforderlich sind, um die Neurowissenschaften in Europa gerechter zu gestalten.
Projektteam: Dominic Lammar, Ruth Müller, Marcello Ienca, Jörg Niewöhner, Co-PIs: Alena Buyx, Oliver Rollins (MIT)
Zeitraum: 2026-2029
Finanzierung: Funded within the framework of the Excellence Strategy of the Federal and State Governments.

Beschreibung: Internationale Gesundheitsorganisationen produzieren, verarbeiten, interpretieren und verbreiten Wissen zu einer Vielzahl gesundheitsbezogener Themen. Ihre Programme und Leitlinien dienen dabei in unterschiedlichen nationalen Kontexten als Bezugspunkt für politische Entscheidungsträger:innen und Forscher:innen. Die systematische Produktion solchen Wissens ist zugleich komplex und von immer größerer Bedeutung, wobei erhebliche Diskrepanzen zwischen den von globalen Gesundheitsorganisationen favorisierten Diskursen und Praktiken einerseits und den Bedürfnissen sowie den Lebensrealitäten der Menschen, an die sich ihre Kampagnen richten, andererseits festgestellt wurden. Dennoch ist in den “Science and Technology Studies” (STS) und verwandten Forschungsfeldern überraschend wenig über diese Wissenskulturen und deren Verhältnis zu neuem Wissen und technologischen Innovationen bekannt.
Dieses Projekt untersucht die derzeit zentrale globale Gesundheitsorganisation, die Weltgesundheitsorganisation (WHO), als Ort der Wissensgenerierung, -interpretation und -verbreitung. Unter vorwiegender Verwendung von Diskursanalyse und unter Rückgriff auf Interviews, teilnehmende Beobachtung und ko-kreative Methoden liegt der Fokus darauf, den Prozess der Wissensgenerierung und -verbreitung bei der WHO im Hinblick auf neuartige biomedizinische Innovationen und bahnbrechende Technologien zu verstehen. Die Analyse konzentriert sich auf Technologien, die transformative Auswirkungen für Frauen und Kinder im sogenannten „Globalen Süden“ haben sowie auf sogenannte „frugale Technologien“, die darauf abzielen, den technologischen Nutzen unter Bedingungen begrenzter Ressourcen zu maximieren.
Projektteam: Michael Schönwolff, M.A. Prof. Dr. Ruth Müller, Prof. Dr. Janina Steinert, (CO-PI): Prof. Dr. Alena Buyx, Prof. Dr. Jörg Niewöhner, Prof. Dr. Marcello Ienca
Partner: TUM Global Health Center, KNUST
Projekt: 2026-2029
Finanzierung: Funded by German Research Foundation (DFG) – Excellence Cluster ‘TransforM’ (Excellence Strategy of the Federal and State Governments)

Beschreibung: Führende Akteure der deutschen Forschungslandschaft – von Förderorganisationen über Hochschulen bis hin zu einzelnen Forschenden – drängen zunehmend auf eine tiefgreifende und umfassende Einbindung von Analysen zu ethischen, rechtlichen und sozialen Aspekte (ELSA) sowie Resonsible Research and Innovation (RRI) in die STEMM-Forschung. Gleichzeitig fehlt es an einer systematischen Auswertung der bisher in diesem Bereich und darüber hinaus durchgeführten Arbeiten, wodurch Fragen hinsichtlich des Erfolgs, der Misserfolge und der Auswirkungen dieser Programme offen bleiben.
Vor diesem Hintergrund entwickelt dieses Projekt empirisch fundierte Erkenntnisse zur Etablierung von Best Practices, Normen und Benchmarks sowie zum Verständnis der institutionellen Rahmenbedingungen, die erforderlich sind, um Best Practices in der ELSA/RRI-Forschung umzusetzen. Durch die systematische Analyse vergangener Initiativen sowie durch Interviews mit Stakeholdern und ko-kreatives Engagement werden Fragen untersucht, wie: Wer sollte für ELSA/RRI sprechen und diese identifizieren und definieren? Welche Methoden sind in diesem Bereich angemessen, und wie sollte diese Art von Forschung organisiert, gefördert, überwacht und evaluiert werden?
Die eingebettete ethische, rechtliche und sozialwissenschaftliche Analyse ist ein methodischer Eckpfeiler der Agenda der Technischen Universität München (TUM) zur Förderung sozial verantwortlicher Forschung und Innovation. Somit fördert das Projekt die Kernanliegen von TransforM, indem es die Kapazitäten für eingebettete ELSA/RRI-Forschung in den STEMM-Fächern an der TUM und in Deutschland im weiteren Sinne stärkt.
Projektteam: (PI): Prof. Dr. Alena Buyx, Prof Dr. Ruth Müller, Co-PIs: Prof. Dr. Marcello Ienca, Prof. Dr. Jörg Niewöhner, International Co-PI: Jenny Reardon
Zeitraum: 2026-2029
Finanzierung: Funded by German Research Foundation (DFG) – Excellence Cluster ‘TransforM’ (Excellence Strategy of the Federal and State Governments)

Beschreibung: Der Exzellenzcluster Biosystems Design München (BioSysteM) widmet sich der Schaffung eines lebendigen, interdisziplinären Forschungsumfelds, das den Übergang zu einem konstruktiven Designansatz in den Lebenswissenschaften ermöglicht. Durch die Konstruktion komplexer molekularer und zellulärer Systeme mit programmierbaren Eigenschaften, die denen lebender Organismen ähneln, werden wir das Phänomen Leben besser verstehen, lebende oder lebenähnliche Materialien mit bisher unerreichten Fähigkeiten schaffen und die Grundlage für eine revolutionäre nächste Generation von Anwendungen in den Lebenswissenschaften und der Biomedizin legen können.
In vier eng miteinander verbundenen Forschungsbereichen werden wir Standards für die Konstruktion biomolekularer Funktionen unter Verwendung von DNA-Nanotechnologie und Proteindesign entwickeln. Diese werden im Zusammenhang mit selbstorganisierenden molekularen Assemblierungen, synthetischen Zellen, Designerzellen und organoiden Systemen umgesetzt. Die Anwendungsbereiche für diese technischen Systeme reichen von konstruierten biomolekularen Maschinen für die Biosynthese und intelligente Materialien über biomedizinische Mikroroboter und neuartige musterbasierte Therapeutika bis hin zur Steuerung der Zelldifferenzierung und Organbildung. Um einen fruchtbaren Austausch zwischen den verschiedenen Forschungsbereichen über verschiedene Maßstäbe hinweg zu ermöglichen, werden die Forscher in vier speziellen Fokusgruppen zu Forschungsthemen organisiert, die sich mit bestimmten Merkmalen des Lebens befassen – der Entstehung von Form und Struktur, Motilität, Informationsverarbeitung und Evolution. Um vielversprechende Anwendungsmöglichkeiten zu erschließen, werden sich komplementäre Forscherteams auf hochambitionierte, missionsorientierte Projekte (sogenannte M-Projekte) konzentrieren, wie beispielsweise die Realisierung musterbasierter Therapeutika, biomedizinischer Nanoroboter oder programmierbarer biosynthetischer Fertigungsstraßen.
Unsere Bemühungen werden durch mehrere eng miteinander verbundene Unterstützungsstrukturen ermöglicht: einen Technologie-Hub, spezielle Makerspaces (Biomolecular Design Studios), eine KI-Kernabteilung und Unterstützung für Start-ups. Diese gewährleisten den Zugang zu Spitzentechnologie mit professioneller Unterstützung, den einfachen Austausch von Komponenten, Protokollen und Standards zwischen den Forschern im Cluster und mit der wissenschaftlichen Gemeinschaft weltweit, die effektive Anwendung sich schnell entwickelnder KI-Ansätze und die schnelle Umsetzung grundlegender Forschungsergebnisse in Anwendungen. Unterstützt wird dies durch Makerspace-Einrichtungen und spezielle offene Labore, die als Schnittstellen zur Öffentlichkeit für Engagement- und Co-Creation-Aktivitäten dienen. Eine Vielzahl struktureller Maßnahmen wird Nachwuchsforscher in allen Karrierestufen unterstützen, Gleichberechtigung und Vielfalt fördern, Nachhaltigkeit gewährleisten, Qualitätskontrolle bieten und ein professionelles Forschungsdatenmanagement ermöglichen.
Unser besonderer Schwerpunkt in diesem Projekt liegt auf der Durchführung von eingebetteter ethischer und sozialwissenschaftlicher Forschung in beiden M-Projekten, wodurch wir eine vergleichende Dimension zwischen den beiden (noch zu bestimmenden) Anwendungsschwerpunkten der Projekte einbeziehen können. Wir werden mit den Forschern des Clusters neue soziale, ethische und politische Fragen diskutieren und in Workshops erörtern und Aktivitäten zur Einbindung der Öffentlichkeit und zur gemeinsamen Gestaltung entwickeln, die die Interaktion mit der breiten Öffentlichkeit und anderen Interessengruppen erleichtern werden. Dies wird in Zusammenarbeit mit dem Public Technology Lab von TransforM geschehen.
Projektteam: Amy Clare, (PI) Ruth Müller
Zeitraum: 2026-2032
Beschreibung: Die Rekrutierung und Beförderung an Universitäten gelten als entscheidende Momente, in denen geschlechtsspezifische Vorurteile (Gender Bias) Entscheidungsprozesse und damit die Zusammensetzung undMachtverteilung in akademischen Institutionen prägen können. Wissenschaftliche Forschung zeigt, dass unbewusstegeschlechtsspezifische Vorurteile die Wahrnehmung der Eignung von Kandidat*innenbeeinflussen und eine bedeutende Rolle bei Auswahlentscheidungen für akademische Positionen spielen.
Anstatt davon auszugehen, dass Einzelpersonen oder Gruppen ihre geschlechtsspezifischen Vorurteile ohne Unterstützung überwinden können, erkennt ein konstruktivistischer Ansatz, die Existenz von Gender Bias an und schult Einzelpersonen sowie Gruppen darin, geschlechtsspezifische Vorurteile zu erkennen und darauf reagieren zu können, wenn sie auftreten. Dies erfordert, sich mit den unterschiedlichen Formen vertraut zu machen, die Gender Bias in spezifischen Entscheidungssituationen annehmen kann, sowie wirksame Methoden zu erlernen, um solche Vorurteile zu überwinden und eine Aufgabe auf geschlechtergerechte Weise zu erfüllen.
Im Kontext der Rekrutierung und Beförderung in der Wissenschaft bedeutet dies, dass Mitglieder derzuständigen Auswahlkommissionen darüber aufgeklärt, werden müssen, wie sich geschlechtsspezifische Vorurteile häufig im Peer-Review-Verfahren bei Einstellungs- und Beförderungsprozessen äußern, und dass sie darin geschult werden müssen, wie solche Vorurteile verhindert und bekämpft werden können . In diesem Zusammenhang stellen Gender-Awareness-Trainings für Rekrutierungs- und Beförderungskommissionen an Universitäten ein wichtiges Instrument dar.
Projektteam: Cansu Güner, (PI) Ruth Müller
Zeitraum: 2022-2026
abgeschlossene Projekte
Beschreibung: ‚Akademische Exzellenz‘ ist in den letzten Jahrzehnten zu einem Kernbegriff wissenschaftspolitischer Diskurse geworden. Zahlreiche tiefgreifende Reformen der europäischen Forschungslandschaft wurden mit dem Ziel begründet, nationale Forschungskapazitäten auf ein weltweites Spitzenniveau anzuheben. Dabei ist die konkrete Bedeutung des Exzellenzbegriffs von seinem praktischen Gebrauch in spezifischen Anwendungskontexten abhängig. Das Projekt „Evidenz für Exzellenz“ zielt darauf ab, die Operationalisierung des Exzellenzbegriffs an einer zentralen und zukunftsweisenden Schnittstelle des Wissenschaftssystems, den europäischen Nachwuchsförderungsprogrammen, zu untersuchen. In diesem Projekt folgen wir einem akteurszentrierten Zugang und führen reflexive peer-to-peer Interviews mit Gutachter/innen unterschiedlicher Förderprogramme durch, um nachzuzeichnen, wie Gutachter/innen Bewertungsprozesse in verschiedenen europäischen Förderprogrammen wahrnehmen und mit diesen umgehen. Wir verstehen Gutachter/innen dabei als Akteur/innen, die vor dem Hintergrund eines sich kontinuierlich im Wandel befindlichen Wissenschaftssystems komplexe evaluative Entscheidungen treffen und dabei potentiell widersprüchliche Aspekte und Vorstellungen von hoher wissenschaftlicher Qualität miteinander verhandeln. Das Projekt schließt inhaltlich an Arbeiten aus der Wissenschafts- und Technikforschung (Science & Technology Studies, STS) und den Valuation Studies an, die Verfahren der wissenschaftlichen Bewertung als soziale Prozesse verstehen, in denen Wertvorstellungen nicht einfach angewandt, sondern auch produziert werden. Das Projekt wird einen empirisch fundierten Beitrag zu einer wissenschaftlichen und wissenschaftspolitisch dringend notwendigen Reflexion der Normen, Werte und Spannungen leisten, die gegenwärtige Evidenzierungsprozesse von Exzellenz in einer zunehmend hochkompetitiven Forschungsförderungslandschaft prägen.
Das Projekt wird gefördert durch das STS Labor Engineering Responsibility und durch den TUM Gender & Diversity Incentive Fund erhalten. Das Projekt ist assoziiertes Projekt der DFG Forschergruppe 2448 “Evidenzpraktiken in Wissenschaft, Medizin, Technik und Gesellschaft”.
Projektteam: Prof. Dr. Ruth Müller (Leitung), Dr. Lucas Brunet, Kay Felder (ehem.)
Projekttyp: Array
Fördergeber: MCTS Labor Engineering Responsibility, TUM Gender & Diversity Incentive Fund

Beschreibung: Da sich Künstliche Intelligenz (KI) und Machine Learning (ML) weiterentwickeln und zunehmend in Gesundheitswesen und Medizin Einzug halten, ist es entscheidend, die ethischen und sozialen Implikationen dieser Entwicklungen zu berücksichtigen. Von Fragen zu Bias und Diskriminierung über Erklärbarkeit und Verantwortlichkeit bis hin zu Aspekten der Mensch-Maschine-Interaktion sind die ethischen und sozialen Herausforderungen rund um medizinische KI vielschichtig und erfordern eine sorgfältige und verantwortungsvolle Auseinandersetzung.
MedAIcine befasst sich mit zentralen Herausforderungen und Spannungsfeldern einer verantwortungsvollen Gestaltung und Nutzung von KI in der medizinischen Bildgebung. Das Projekt wendet einen Embedded-Ethics-and-Social-Science Ansatz an und untersucht aöls interdisziplinäres Projektteam aus Wissenschafts- und Technikforschung (STS), Philosophie und Ethik empirisch soziale und ethische Aspekte, die in der Forschung und Implementierung medizinischer KI entstehen. Hierzu führen wir Fallstudien zum Einsatz von ML in der Radiologie und Dermatologie durch und arbeiten langfristig und integriert mit technologischen sowie medizinischen Forschenden und Praktiker*innen zusammen. Unsere Forschungsschwerpunkte umfassen Fragen der Erklärbarkeit, Vulnerabilität und Verantwortung im Kontext medizinischer KI-Technologien, die Wahrnehmung dieser Technologien durch Ärzt*innen und Patient*innen sowie Aspekte von Bias und Gerechtigkeit in Datenerhebung und -analyse.
MedAIcine ist das erste Pilotprojekt des Center for Responsible AI Technologies, das im Februar 2022 von der Universität Augsburg (UNIA), der Hochschule für Philosophie München (HFPH) und der Technischen Universität München (TUM) gegründet wurde. Das Zentrum verfolgt das Ziel, philosophische, ethische und sozialwissenschaftliche Fragestellungen und Problemlagen in den gesamten Prozess der Entwicklung und Implementierung von KI-Technologien zu integrieren.
Projektteam: Prof. Dr. Ruth Müller, Prof. Dr. Alena Buyx, Svenja Breuer, Theresa Willem
Zeitraum: 10/2022-09/2025
Projekttyp: Third-party funded Project
Fördergeber: Center for Responsible AI Technologies
Projektleitung: Prof. Dr. Ruth Müller
Zeitraum: 01.04.2022-31.03.2025
Fördergeber: Institute for Advanced Study
Themen: Science Communication, AI, expectations, sociotechnical imaginaries
Beschreibung: Das Projekt will untersuchen, wie sich die Herstellung, Kommunikation und gesellschaftliche Aushandlung von wissenschaftlicher Evidenz über COVID-19 unter den Bedingungen der Coronakrise vollziehen. Die rasche Verbreitung von COVID-19 und der damit verbundene Handlungs- und Entscheidungsdruck erhöhen den Bedarf an vertrauenswürdigem wissenschaftlichem Wissen: sich widersprechende Expert*innen, oft korrigierte Zahlen, Statistiken und Empfehlungen und die intensive Medialisierung von Dissens und Konflikten nähren aber auch den Boden für Skepsis gegenüber autorisierten Evidenzquellen. Vor diesem Hintergrund wollen wir in diesem interdisziplinären Projekt der De- und Restabilisierung wissenschaftlicher Evidenz in der Coronakrise nachgehen. Dabei untersuchen wir vier zentrale Arenen der Aushandlung von Evidenz zu COVID-19 (die wissenschaftliche Forschung, die medizinische Praxis, den Wissenschaftsjournalismus und die sozialen Medien) und bündeln dabei die Kompetenzen von vier Forschungsbereichen (Wissenschaftsforschung, Medizinethik, Kommunikationswissenschaft und Soziologie). Dies erlaubt es uns, die Evidenzdynamiken in diesen Arenen und, ganz wesentlich, ihre Interaktionen in der De- und Restabilisierung von Evidenz zu untersuchen. Die Integration des Projekts in die DFG-Forschungsgruppe „Evidenzpraktiken“ ermöglicht es uns darüber hinaus, zu erforschen, was am Umgang mit Evidenz unter den Bedingungen der Coronakrise neuartig ist und wo sich Kontinuitäten zu anderen Evidenzkonflikten in gegenwärtigen Wissensgesellschaften konstatieren lassen.
Projektteam: Prof. Dr. Ruth Müller, Michael Schönwolff, M.A., Prof. Dr. Helena Bilandzic, Prof. Dr. Sascha Dickel, Prof. Dr. Dr. Mariacarla Gadebusch Bondio, Prof. Dr. Susanne Kinnebrock, Karolin Kornehl, Angelika Laumer, Markus Schug
Zeitraum: 2021-2023
Projekttyp: DFG-Forschungsgruppe „Practicing Evidence – Evidencing Practice“
Fördergeber: DFG
Beschreibung: Women are disproportionately affected by a variety of drug use-related harms and remain under-represented in addiction treatment and drug support services. In response to these challenges, state of the art research and policy debates have emphasized the urgent need to incorporate gender-specific needs into the design and delivery of drug services. Building on this imperative, the DAAD project seeks to shed much needed light on the factors influencing the development and implementation of ‘gender-responsive’ drug services. To this end, Dr Aysel Sultan from the STS department at TUM will spend 1 month at the Eastern Health Clinical School of Monash University in Melbourne, Australia which will be followed by an exchange visit from Dr Tristan Duncan to the STS department. The fellows will collaboratively design and undertake a qualitative study on how drug services incorporate gender and gender-responsiveness into service delivery. This exchange is funded by the German Academic Exchange Program (DAAD) and Veski in Victoria.
The case study of the project is a German drug consumption room ragazza e.V. located in the city of Hamburg. As one of two ‘women-only’ drug consumption rooms services globally (second one being in Vancouver), the site provides a unique and heretofore unexamined example of gender-responsive policy in practice. The case study will be complemented with visits to drug consumption rooms in Berlin and Melbourne, conversations with local experts in each country and examination of local policy briefs.
This project will contribute new knowledge on the development and implementation of gender-responsive drug services, including insights into the processes, challenges, and dynamics that shape program operations and sustainability. As policy makers continue to grapple with gendered inequalities in drug service access, this knowledge can play a critical role in supporting informed drug policy decision-making and practice in Australia and abroad. The project will also act as a pilot study that will form the basis of a grant application involving a comparative analysis of German and Australian drug consumption room stakeholders’ understandings of gender-responsive design.
Projektteam: Aysel Sultan, Tristan Duncan
Zeitraum: Aug-Oct 2023
Projekttyp: Drittmittelprojekt
Fördergeber: DAAD, Veski and Monash University

Beschreibung: The Research Cultures in Germany project investigated how researchers in various fields and disciplines perceive working and living in Germany and what opportunities and challenges they identify for local research cultures in Germany. The aim was to develop a description of the current conditions from which the Foundation could derive ideas for its funding activities and for potential improvements for the future of research cultures in Germany.
Within the context of this project, we understand research cultures as multidimensional: they are composed of epistemic, social, organizational, and societal dimensions. We therefore also speak of research cultures in the plural: while there are frameworks at the societal and organizational level that apply to all research fields in Germany. Moreover, specific research fields have their own epistemic and social practices and norms against which they interpret and negotiate organizational and societal frameworks.
In Germany, working and living conditions with regards to research careers have gained attention in recent years, especially along the protest movements from untenured staff and early career researchers that became a popular debate under the #IchbinHanna and #IchbinReyhan (Bahr et al., 2022). This movement has pointed to precarious employment conditions and accompanying restrictions to quality, creativity, productivity, and also diversity in German research landscape. These protest movements, the evaluation of the Wissenschaftszeitvertragsgesetz 2022, or attempts by some universities to establish new forms of employment, especially for postdoctoral researchers, have led to an intensive discussion of the situation of untenured staff. What is largely missing, however, are debates and analyses that take a systemic perspective and, in this sense, look at research cultures in Germany from the perspective of different actors and their interactions. This project aimed to emphasize some of the field-specific differences in sociology, environmental humanities, artificial intelligence and synthetic biology to highlight the interrelation of different human and nonhuman actors (such as institutional structures, legal conditions) in navigating the challenges of everyday research life.
Our findings suggest that some problem areas can be addressed directly through changes in research funding. In many cases, we see the Volkswagen Foundation as an actor that could initiate important discourses in the German science system and thus achieve step-by-step changes together with other actors.
Projektteam: Prof. Dr. Ruth Müller, Dr. Aysel Sultan, Michael Ploder, Joanneum Research, Graz/Austria
Zeitraum: Jan-Dec 2022
Projekttyp: Consortium Project Third-party funded Project
Fördergeber: Volkswagen Foundation
Partner
- Joanneum Research Forschungsgesellschaft mbH
- DHZW (German Centre for Higher Education Research and Science Studies)
- EvaConsult
Projektteam: Univ.-Prof. Dr. Sascha Dickel, Prof. Dr. Karin Zachmann, Dr. Olga Sparschuh
Zeitraum: 2017-2023
Fördergeber: DFG – Deutsche Forschungsgemeinschaft
Themen: Evidence Practices in Science, Medicine, Technology and Society
Beschreibung: Die Integration verkörperter Künstlicher Intelligenz (KI) in Gesundheitswesen und Gesellschaft verspricht in den kommenden Jahrzehnten erhebliche Vorteile. Gleichzeitig gehen Innovationen wie KI-gestützte Operationsroboter, KI-Prothesen, Pflegeroboter - oder perspektivisch sogar Mikro- und Nanoroboter - mit einer Reihe ethischer, sozialer, politischer und rechtlicher Herausforderungen einher. Dazu zählen grundlegende Veränderungen in den Arbeitskulturen und im Fachwissen medizinischer und pflegerischer Fachkräfte. Diese Herausforderungen, die sich aus neuen Arbeitsteilungen zwischen Mensch und Maschine ergeben, müssen proaktiv adressiert werden, damit verkörperte KI erfolgreich und verantwortungsvoll in Medizin und Gesellschaft implementiert werden kann.
Zwar existieren übergreifende Prinzipien wie jene der High-Level Expert Group on Artificial Intelligence der Europäischen Union sowie Standards wie die ISO-Normen für persönliche Assistenzroboter, doch fehlen bislang weitgehend konkrete und differenzierte Rahmenwerke für die verantwortungsvolle Integration verkörperter KI-Produkte in medizinische Praxis und Arbeitskulturen. Ebenso gibt es keine Best-Practice-Modelle für die interdisziplinäre Entwicklung von Mensch-Maschine-Anwendungen in der Biomedizin, die ethische, soziale und regulatorische Aspekte systematisch berücksichtigen.
Das Projekt RR-AI verfolgt daher drei Ziele:
- die empirische Untersuchung der sozialen, ethischen und rechtlichen Dimensionen zweier neuartiger KI-basierter Technologien – eines Serviceroboters namens GARMI sowie einer intelligenten Arm-Exoprothese – während ihrer Entwicklung und Implementierung in die medizinische Praxis;
- die Entwicklung eines praxisorientierten Werkzeugkastens für zukünftige interdisziplinäre KI-Innovationen sowie konkreter Standards und Empfehlungen für die verantwortungsvolle Integration verkörperter KI in Arbeitspraktiken und Ausbildung im Gesundheitswesen;
- die experimentelle Erprobung dieser Werkzeuge und Empfehlungen durch interdisziplinäre Ko-Kreation und die Integration verkörperter KI-Anwendungen in reale Arbeitsumgebungen.
Das Projekt verfolgt damit einen innovativen „Embedded Ethics and Social Science“-Ansatz, bei dem ethische, soziale, rechtliche und politische Analysen integrale Bestandteile sowohl des Designprozesses von KI-Produkten als auch ihrer Integration in Arbeitskontexte sind. Die Projektergebnisse werden mit relevanten Stakeholdern diskutiert, in Pilotprojekten getestet und breit disseminiert.
Das Projekt ist Teil des transdisziplinären Konsortiums „Digitalisierung“ (https://www.bidt.digital/bidt-foerdert-neun-forschungsprojekte-zur-digitalisierung/), das Fragen des digitalen Wandels in Wirtschaft und Arbeit, Politik und Gesellschaft sowie Medien und öffentlicher Kommunikation untersucht. Das Konsortium wird vom Bayerischen Forschungsinstitut für Digitale Transformation (bidt) der Bayerischen Akademie der Wissenschaften gefördert. Innerhalb des Konsortiums ist das Projekt „Responsible Robotics“ der Initiative „Wirtschaft und Arbeit“ zugeordnet.
Projektteam: Maximilian Braun, Svenja Breuer, Prof. Dr. Ruth Müller, Prof. Alena Buyx, Prof. Sami Haddadin, Prof. Iris Eisenberger
Zeitraum: 04.2020 - 06.2023
Projekttyp: Verbundprojekt
Fördergeber: Bayerisches Forschungsinstitut für digitale Transformation (bidt)

Beschreibung: Das CRISPR-Cas9 System wird derzeit als revolutionärer Durchbruch in der Gentechnologie diskutiert und erhält zunehmend wissenschaftliche und mediale Aufmerksamkeit. Das aus Bakterien isolierte System würde völlig neue Möglichkeiten der „Genom-Editierung“ quer zu verschiedensten Organismen erlauben, die wesentlich präziser und kostengünstiger wären als bisherige biotechnologische Methoden. Die Anwendungsbereiche reichen von der stark vereinfachten Erzeugung genetisch veränderter Pflanzen und Nutztiere bis hin zur Entwicklung neuer Gentherapien. In den Agrarwissenschaften sind die neuen technologischen Möglichkeiten mit der Hoffnung verbunden, dass sie zu einer effizienteren und nachhaltigeren Landwirtschaft beitragen könnten, indem traditionelle Zuchtmethoden durch gentechnologische Methoden erweitert werden könnten. Gleichzeitig wirft die Genom-Editierung drängende ethische, politische und soziale Fragen auf und wird in der Öffentlichkeit durchaus kontrovers diskutiert.
Im Rahmen des transdisziplinären Forschungsverbundes FORTiGe (Forschungsverbund Tiergesundheit durch Genomik, Bayerische Forschungsstiftung LINK forschungsstiftung.de/Projekte/Details/Forschungsverbund-Tiergesundheit-durch-Genomik-FORTiGe.html) untersuchen wir öffentliche und wissenschaftliche Wahrnehmungen dieser neuen Möglichkeit, mit einem spezifischen Fokus auf die Anwendung von Genom-Editierungsverfahren bei Nutztieren in Bayern. Mit qualitativen sozialwissenschaftlichen Methoden, wie etwa Interviews und szenarienbasierten Fokusgruppendiskussionen, erforschen wir, wie verschiedene Stakeholdergruppen die Möglichkeiten und Herausforderungen neuer Genom-Editierungsverfahren in der landwirtschaftlichen Tierzucht wahrnehmen und analysieren die damit verbundenen spezifischen Bewertungsdynamiken und öffentlichen Wahrnehmungen. Damit eröffnen wir Möglichkeitsräume für partizipative Debatten darüber, was verantwortungsvolle Technologieentwicklung in Bezug auf neue Genom-Editierungsverfahren und in konkreten nationalen und lokalen Kontexten heißen kann.
Projektteam: Prof. Dr. Ruth Müller, Julia Feiler
Zeitraum: 09.2018 – 05.2021
Projekttyp: Array
Fördergeber: Bayerische Forschungsstiftung
Beschreibung: Plastik und insbesondere Mikroplastik in der Umwelt stehen seit einiger Zeit vermehrt im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit. Schlagzeilen wie „Unterschätzte Gefahr – Plastikteilchen verunreinigen Lebensmittel“ (Spiegel online, 2013) oder „Gefährliche Mini-Giftbomben“ (Focus online, 2012) weisen auf einen zunehmenden gesellschaftlichen Diskurs über die möglichen gesundheitlichen und umweltbezogenen Risiken von Mikroplastik hin, der sich auch in einer steigenden wissenschaftlichen und politischen Beschäftigung mit dem Thema (Mikro)Plastik in der Umwelt widerspiegelt.
Das Projekt „Plastics – Publics – Politics“ beschäftigt sich damit, wie unterschiedliche Interessensgruppen das Thema Mikroplastik wahrnehmen und wie es in verschiedenen gesellschaftlichen Arenen, wie etwa Medien, Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Politik diskutiert und problematisiert wird. Damit sollen die gesellschaftlichen Rahmenbindungen für einen möglichen neuen sozialen und politischen Umgang mit (Mikro)Plastik in der Umwelt analysiert werden. Der qualitative sozialwissenschaftliche Zugang des Projekts umfasst unter anderem eine Medienanalyse der Repräsentation von Mikroplastik in deutschen Tages- und Wochenzeitschriften; Interviews mit Forscher/innen und zivilgesellschaftlichen Aktivist/innen; und Fokusgruppen mit Bürger/innen. Das Projekt fördert darüber hinaus in Kollaboration mit dem Umweltbundesamt den inter- und transdiziplinären Dialog zwischen Stakeholdern aus Wissenschaft, Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft.
Das Projekt ist Teil des transdisziplinären Konsortiums „SubµTrack – Innovative Analysemethoden für Submikroplastik” (https://www.wasser.tum.de/submuetrack/das-projekt/), das die toxikologischen, ökologischen, sowie die sozialen und politischen Aspekte von Mikro- und Nanoplastikpartikel in der Umwelt untersucht. Das Konsortium wird durch das Deutsche Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmens Forschungsschwerpunktes „Plastik in der Umwelt“ (https://bmbf-plastik.de) gefördert. Das Teilprojekt „Plastics – Publics – Politics“ erhält zudem Förderungen durch das MCTS Lab “Engineering Responsibility”.
Projektteam: Prof. Dr. Ruth Müller, Dr. Sarah Schönbauer
Zeitraum: 03.2018 – 08.2021
Projekttyp: ["Verbundprojekt \/ Consortium Project"]
Fördergeber: BMBF

Beschreibung: Die Epigenetik erforscht Veränderungen in der Genaktivität, die nicht durch Mutationen im genetischen Code ausgelöst werden, sondern durch chemische Modifikationen auf der DNA. Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass epigenetische Modifikationen und damit die Genexpression durch Umwelteinflüsse signifikant verändert werden können, etwa durch Umweltgifte, Ernährung, Trauma oder Stress. Die daraus resultierenden Forschungszugänge der „Umweltepigenetik“ eröffnen so neuartige, wichtige Möglichkeiten, Körper, Gesundheit und Krankheit als ‚biosozial’ zu verstehen. Jedoch ist noch unklar, wie die spezifischen Auswirkungen solcher Perspektiven in verschiedenen Forschungsbereichen der Lebenswissenschaften aussehen können und wie Ansätze aus der Umweltepigenetik das Verständnis von Körper, Gesundheit und Krankheit in verschiedenen Forschungsfeldern auf unterschiedliche Arten beeinflussen können.
Daher verfolgt dieses Projekt einen vergleichenden Ansatz und untersucht, wie Zugänge aus der Umweltepigenetik in drei Forschungsfeldern, die von großer gesundheitspolitischer Relevanz sind, angewendet und angepasst werden: Ernährungsepidemiologie, Umwelttoxikologie und die Pathophysiologie von Angst- und Affektstörungen. Zu diesem Zweck setzt das Projektteam qualitative sozialwissenschaftliche Forschungsmethoden, wie Interviews, ethnographische Beobachtungen und Dokumentenanalyse ein. Dieser vergleichende Ansatz erlaubt uns, dafür offen zu sein, dass die Umweltepigenetik in diesen Feldern ein unterschiedliches „epistemischen Ding“ (Rheinberger, 1997) mit jeweils unterschiedlichen sozialen und politischen Implikationen darstellen kann. Dieser Zugang beruht auf zentralen Perspektiven der Wissenschafts- und Technikforschung, die den situierten Charakter der Wissensproduktion (Haraway, 1988; Knorr-Cetina, 1999) und die Notwendigkeit kontextsensitiver Forschungsansätze (Jasanoff, 2004) hervorheben. Neben seinem Beitrag zur sozialwissenschaftlichen Diskussion über die Umweltepigenetik wird das Projekt den konstruktiven interdisziplinären Dialog zwischen Sozial- und Lebenswissenschaften aktiv fördern.
Projektteam: Prof. Dr. Ruth Müller (PI), Dr. Michael Penkler, Sophia Rossmann, M.A., Georgia Samaras, M.A.
Zeitraum: 10.2018 – 09.2021
Projekttyp: ["Drittmittelprojekt \/ Third-party funded Project"]
Fördergeber: DFG
Beschreibung: Evidenz wird für politische, gesellschaftliche und individuelle Entscheidungen immer wichtiger, auch wenn dieser Tage vermehrt von einem drohenden „postfaktischem Zeitalter“ die Rede ist. Evidenz basiert auf wissenschaftlich erhobenen Daten, ist aber auch ein soziales Phänomen. Wie und von wem wird Evidenz hergestellt, wie wird sie verwendet und welche Auswirkungen hat das? Dies sind die grundlegenden Fragen, mit denen sich unsere Forschergruppe auseinandersetzt. Da Evidenz ein Thema ist, das viele verschiedene Disziplinen angeht, ist die Forschergruppe interdisziplinär ausgerichtet. Unsere insgesamt sechs Teilprojekte umfassen Wissenschaftler aus den Fachbereichen Technikgeschichte, Praktische Philosophie, Wissenschaftssoziologie, Medizingeschichte und -ethik, Marketing und Konsumforschung, sowie Wissenschafts- und Umweltgeschichte.
- Sprecherin: Prof. Dr. Karin Zachmann (until 2024), Prof. Dr. Ruth Müller (from 2024).
- Ko-Sprecher: Jun-Prof. Dr. Sascha Dickel (Wissenschaftssoziologie, Johannes-Gutenberg-Universität Mainz)
- Koordinatorin: Dr. Olga Sparschuh
Partner
Teilprojekte
TP4: DIE ROLLE DER MORALISIERUNG IN DER INTERPRETATION VONERNÄHRUNGSWISSENSCHAFTLICHER EVIDENZ
Dieses Projekt untersucht die Evidenzpraktiken der Verbraucher/innen im Feld der Ernährung. Die Ernährung ist eine evolutionär und kulturell tradierte Praktik, die erst seit ca. 100 Jahren mit Erkenntnissen aus den Ernährungswissenschaften gestärkt, konfrontiert und verändert wird. Die Ergebnisse der Phase 1 zeigen, dass Evidenz – verstanden als einleuchtendes und gesellschaftlich akzeptiertes Wissen – als Basis für das Verbraucherhandeln nicht nur ausgehend von wissenschaftlichem Wissen entsteht, sondern vor allem durch Heuristiken und Wertvorstellungen geprägt wird. Dies trifft vor allem dann zu, wenn wissenschaftliches Wissen fragil ist und dem intuitiven Urteil von richtig oder falsch und gut oder schlecht entgegensteht.
- Prof. Dr. Jutta Roosen
- Edoardo Maria Pelli
TP5: DIE RISIKOINDUSTRIE. EVIDENZ FÜR SICHERHEIT ALS NEUES FORSCHUNGS- UND GESCHÄFTSFELD IN DER BUNDESREPUBLIK IN DEN 1960ER BIS 1980ER JAHREN
08.2020 – 08.2023
Das Projekt untersucht Evidenzpraktiken der technischen Sicherheit und deren Veränderung in Deutschland in den 1950er bis 1980er Jahren. Nachdem der Fokus in der ersten Phase auf den beiden Technikbereichen Kernkraft und Automobiltechnik lag, steht in der zweiten Phase die Entstehung und Entwicklung der Risikoindustrie im Mittelpunkt. Unter diesem Begriff fassen wir das seit dem Ende der 1960er Jahre neu entstehende Forschungs- und Geschäftsfeld, welches das Risikokonzept als zentrales Paradigma nutzte, um Evidenz für (technische) Sicherheit zu erzeugen und zu verwerten – im ingenieurstechnischen, diskursiv-politischen, aber auch unternehmerischen Sinne. Ziel des Projekts ist es, den Aufstieg und die Etablierung dieses neuen Wissensfeldes in der BRD historisch nachzuzeichnen und in den Kontext der Entstehung eines neuen Evidenzregimes technischer Sicherheit seit den 1970er Jahren einzuordnen.
- Prof. Dr. Karin Zachmann
- Dr. Stefan Esselborn
TP8: AUGENSCHEINLICH EXZELLENT? EVIDENZPRAKTIKEN IN DER AUFBEREITUNG WISSENSCHAFTLICHER FORSCHUNG UND BIOGRAPHIEN FÜR DIE BEANTRAGUNG VON ERC STARTING UND CONSOLIDATOR GRANTS
Im gegenwärtigen Wissenschaftssystem ist hohe wissenschaftliche Qualität, oft mit dem Begriff der Exzellenz gefasst, sowohl zum vielbesprochenen Ziel wissenschaftlicher und wissenschaftspolitischer Aktivitäten geworden, als auch zur strittigen Frage: Wie kann wissenschaftliche Exzellenz evident gemacht werden? Und wer kann sie mit welchen Mitteln bestimmen, messen und vergleichen? Thema des Teilprojekts 8 sind Evidenzpraktiken in der Bewertung von wissenschaftlicher Qualität in der Forschungsförderung.
- Prof. Dr. Ruth Müller
- Dr. Mallory James
DFG Forschergruppe 2448 “Evidenzpraktiken”
Mail: evidenzpraktiken@tum.de
Projektteam: Prof. Dr. Karin Zachmann
Zeitraum: 13.12.2016 – 30.09.2023
Projekttyp: Verbundprojekt / Consortium Project
Fördergeber: DFG



Beschreibung: Co-Creation – Praktiken, die unterschiedliche Akteure in gemeinsamen Innovationsaktivitäten zum wechselseitigen Nutzen zusammenbringen – ist enstanden als eine weithin erwünschte Schlüsselresource für aktuelle Bestrebungen, Innovationsprozesse und -resultate zu verbessern. Das europäische Forschungskonsortium SCALINGS untersucht die Möglichkeiten und Grenzen einer weitergehenden Verbreitung und Nutzung von ko-kreativen Praktiken quer durch Europa.
SCALINGS untersucht mittels eines mobilen, eingebetteten und vergleichend experimentellen Forschungsdesigns einzigartige Umsetzungen und Resultate dreier Instrumente von Co-Creation: innovative Beschaffung, Living Labs und Infrastrukturen der Co-Creation. Das Konsortium fokussiert auf zwei Technologiedomänen (Robotik und städtische Energieversorgung) über 10 Partnerländer hinweg. SCALINGS zielt darauf ab, Möglichkeiten für bewährte Verfahren und sozial robuste Skalierung von Co-Creation zu stärken und dabei gleichzeitig unser Verständnis davon verbessern, wie ko-kreative Praktiken mit den sozialen, kulturellen, ökonomischen und institutionellen Umgebungen, in denen sie umgesetzt werden, zusammenhängen. SCALINGS ist ein interdiszplinäres Projekt, das Sozialwissenschaftler*innen, Ingenieur*innen, politische Entscheidungsträger*innen und Industriepartner*innen aus ganz Europa zusammenbringt.
Das Projekt SCALINGS wird durch das Horizont 2020 Forschungs- und Innovationsprogramm der Europäischen Union innerhalb der speziellen Förderungslinie „Science with and for Society“. Dessen Ziel ist es, effektive Kooperationen zwischen Wissenschaft und Gesellschaft aufzubauen, um neue Talente für die Forschung zu rekrutieren und dabei wissenschaftliche Exzellenz mit sozialem Verantwortungsbewusstsein zu paaren.
Projektteam: Prof. Dr. S. Pfotenhauer (Koordinator), Prof. Dr. Sabine Maasen, Dr. Uli Meyer, Prof. Dr. Ruth Müller
Zeitraum: 05.2018 – 07.2021
Projekttyp: ["consortium"]
Fördergeber: EU, Horizont 2020
Partner
- TUM (DE) – Technical University of Munich
- TU/e (NL) – Eindhoven University of Technology
- DTU (DK) – Technical University of Denmark
- EPFL (CH) – École Polytechnique Fédérale de Lausanne
- ARMINES/MINES ParisTech (FR) – Association pour la Recherche et le Développement des Méthodes et Processus Industriels / École Nationale Supérieure des Mines de Paris
- ESADE (ES) – Fundación ESADE
- BOKU (AT) – Universität für Bodenkultur Wien
- UEW (PL) – Wrocław University of Economics
- UCL (UK) – University College London
- SIX (UK) – Social Innovation Exchange Ltd
Beschreibung: Sind hohes Übergewicht und damit einhergehende Stoffwechselerkrankungen das Ergebnis mangelnder Selbstdisziplin? Diese sowohl gesellschaftlich als auch medizinisch weit verbreitete Annahme wird wissenschaftlich zunehmend in Frage gestellt. So weisen Forschungsergebnisse darauf hin, dass die frühkindliche Entwicklung während der Schwangerschaft und in den ersten Lebensjahren prägend für spätere Krankheitsrisiken im Erwachsenenalter sein kann. Bestimmte Umwelteinflüsse wie Über- oder Unterernährung können demnach den Körper auf eine Art und Weise „programmieren“, die ihn mitunter lebenslang anfälliger für hohes Körpergewicht und die Entwicklung metabolischer Erkrankungen machen kann. Einiges deutet sogar darauf hin, dass derartige „Programmierungseffekte“ nicht nur die eigene Gesundheit, sondern auch die der eigenen Kinder nachhaltig beeinflussen können, und Krankheitsrisiken somit womöglich von Generation zu Generation vererbt werden. Diese Forschungsergebnisse haben potentiell große Auswirkungen auf den Umgang mit Übergewicht und metabolischen Erkrankungen in Gesundheitspolitik, Medizin und Alltag. Sie betonen beispielsweise die Bedeutung der mütterlichen Ernährung während der Schwangerschaft für die künftige Gesundheit des Kindes, was werdende Eltern jedoch auch stark unter Druck setzen kann. Die Annahme, dass Übergewicht und begleitende Stoffwechselerkrankungen womöglich ihren Ursprung in oft zurückliegenden Entwicklungsphasen haben, könnte zudem auch zur Hinterfragung vieler gängiger gesellschaftlicher Stereotypen über Personen mit Übergewicht (etwa, dass diese „faul“ oder „unverantwortlich“ wären) führen.
In dem sozialwissenschaftlichen Forschungsprojekt „Metabolische Erkrankungen in einer Lebenslaufperspektive“ untersuche ich, wie die Entwicklungsursprünge von Adipositas und Stoffwechselerkrankungen medizinisch erforscht werden und was mögliche gesellschaftliche und politische Implikationen dieser Forschung sein könnten. Dazu führe ich Interviews mit führenden Forschern/innen aus dem Feld der sogenannten „Developmental Origins of Health and Disease“, Darüber hinaus beobachte ich Forschungspraktiken in diesem Bereich, und ich analysiere den gegenwärtigen Forschungsstand umfassend. Ich untersuche dabei, wie in unterschiedlichen Forschungsansätzen Adipositas und Begleiterkrankungen als Lebenslauferkrankungen umgedeutet werden und wie dadurch neue Formen von Verantwortlichkeit entstehen. Das Forschungsprojekt hat so zum Ziel, neue Krankheitsmodelle noch im Entstehungsprozess sozialwissenschaftlich aufzuarbeiten. Es soll dadurch auch zu einer breiteren Debatte über die gesellschaftlichen Potentiale und Herausforderungen dieses hochaktuellen medizinischen Forschungsbereiches beitragen.
Das Forschungsprojekt ist mit einem Erwin Schrödinger Postdoc-Stipendium des FWF – Der Wissenschaftsfond ausgezeichnet worden.
Projektteam: Dr. Michael Penkler
Zeitraum: 09.2018 – 09.2021
Projekttyp: Array